Und wieder hob das Flugzeug ab und hat uns in eine andere Welt gebracht. Am Donnerstag Abend um 21:45 Uhr, mal wieder mit einer Stunde Verspätung wegen verspätetem Eintreffen aus Manila, ging unser Airbus A320-200 gen Manila in die Luft. Nach kurzen 3h waren wir auch schon etwa 1 Uhr Nachts gelandet. Die Einreise ging fix, da wir zu der Zeit wohl der einzige Flug waren und so waren wir ruck zuck draußen im heißen Trubel dieser tropischen Großstadt. Manila selbst hat zwar nur ca. 1,6 Millionen Einwohner, die Metro Manila genannte Metropolregion aber gleich mal knapp 12 Mio.
Bemerkenswert ist an dieser Stelle vielleicht noch, dass das Terminal 1 in Manila als der schlechteste Flughafen der Welt gilt. Hier brechen die Panelen aus der Decke ein und der geneigte Tourist ist der Willkür und Korruption der Behörden, Taschendiebstahl und katastrophalen hygienischen Verhältnissen auf den Toiletten ausgesetzt. Alle namenhaften internationalen Airlines fliegen genau dieses Terminal an. Gut, dass wir mit Airphill Express, der Budget Airline von Air Philippines, unterwegs waren. Das nagelneue Terminal 3 sollte eigentlich für den internationalen Flugverkehr verwendet werden. Da es aber auch hier reichlich Korruption beim Bau gab, hat der oberste Gerichtshof beschlossen, das Terminal so lange nicht freizugeben, bis diese Ungereimtheiten aus dem Weg geräumt sind. Nach einigem Hin und Her hatten die Herrschaften Richter dann jedoch ein Einsehen und nutzen das Terminal 3 als Budgetterminal.
Als ehem. Teil der USA kommt man in den Philippinen prima mit Englisch zurecht, wenngleich es auch sehr gut ankommt, wenn man sich ein paar Wörter Tagalog zu Eigen macht. So geht man als in die Geschäfte ein und aus und bedankt sich immer wieder freundlich mit "Salamat po". Wenn man so die Straßen entlang fährt, hat man mitunter auch den Eindruck, durch Amerikanische Großstädte zu wandeln. Die Straßen sind sehr breit, die Tankstellen mit 7/11 an jeder Straßenecke erinnern mich schon irgendwie an die Ecktanke in Ironwood. Hält man aber die Nase aus dem Fenster, merkt man, dass etwas anders ist. Es riecht, wenn auch nicht so schlimm wie in Indien.
Manila hat in erster Linie mit Luftverschmutzung zu kämpfen, die Abgase der Autos sowie regelmäßige Urinwolken gepaart mit der Tropenhitze sind für verwöhnte Europäische Nasen schon etwas anstrengend. Zwar riecht es auch hier in Singapur in manchen Ecken etwas merkwürdig, da Speisereste bei 30 Grad nuneinmal schnell verderben, die Autoabgase und Müllverbrennung sind hier aber nicht so problematisch.
Wenn man einmal die Nase aus dem Fenster hält, kann man auch die Augen aufmachen und sieht eine ganze Menge Müll am Straßenrand. Auch hier ist es nicht ganz so schlimm, wie in Indien, wobei der Unterschied hier eher marginal ist.
Am Eindrucksvollsten ist aber noch der Lärm. Es ist kaum vorstellbar, wie laut ein Motorrad mit 125ccm 1-Zylinder Motor mit ausgeräumtem Sportschalldämpfer röhren kann, ne Ducati Monster mit Termignoni Doppelrohrauspuff und offenem Kumplungsdeckel (Neuwert ab 15000 Euro aufwärts, Lautstärkepegel absolut grenzwertig mit den Deutschen Bestimmungen) ist nicht lauter. (http://www.galassetti.it/foto/ducati/monster_S2R_impanto%20completo_conico_GP_1_big.jpg)
Aber nicht alles ist schlecht. Manila ist das blühende Leben. An jeder Straßenecke gibts Obststände, man kann frische Mangos kaufen und beliebige andere Früchte kaufen. Es gibt duzende verschiedene Verkehrsmittel, von Taxis über Tricycles (Dreiräder, sowohl motorisiert als auch fußbetrieben) hin zu Bussen und Jeepeys (Kleinbusse, die ein wenig wie Jeeps aussehen).
Ich möchte mir nicht ausmalen, wie ich durch Manila navigieren würde, wenn ich nicht eine ortskundige Führererin hätte. Es geht schon ziemlich chaotisch zu, dieses Kauderwelsch aus Englischen und Spanischen Orts und Straßennamen, die vielen Städte, die zu einem großen Wohn- und Geschäftsraum zusammengewachsen sind. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass ich mich in Manila doch recht sicher gefühlt habe. Zwar ist Kleinkriminalität allgegenwärtig, vor Taschendiebstahl muss man sich natürlich schützen, aber Weiße werden gern für Amerikaner gehalten und die genießen in den Philippinen ein hohes Ansehen. Da rufts auch mal schnell von einer Gruppe Kindern auf der anderen Straßenseite "Hey Joe" und es wird gewunken, Straßenhändler versuchen Dir mit "Hey boss" allerlei Kleinkram anzudrehen. Außerdem wird jede Mall und jedes andere private Gebäude durch Sicherheitspersonal überwacht, an Eingängen zu Banken und Einkaufszentren werden Taschenkontrollen durchgeführt, zuweilen sind Metalldetektoren im Einsatz.
Wir sind also mitten in der Nacht in Manila angekommen, haben uns ein 6 Stunden Zimmer im Stundenhotel genommen und dann am nächsten Morgen unsere Klamotten in dem Condo untergestellt, in dem Alorah, Sanies Töchterlein und das Geburtstagskind an eben diesem Freitag, wohnt. Anschließend sind wir groß einkaufen gegangen, Kuchen und Eis für die ganze Klasse. Wir hatten vorgehabt, die Klasse zu stürmen und Eis und Kuchen zu verteilen. Leider hat das nicht funktioniert. Die Schule ist streng katholisch und wird ebenfalls streng überwacht. Da das Sicherheitspersonal zwar ein Einsehen für unserer Unterfangen hatte, ihm aber die Händen gebunden waren, haben wir anschließend zu Mittag gegessen und in dem Restaurant auch gleich das Eis kurz kalt stellen lassen. Das Essen hier in Asien wird gern auf Bananenblättern serviert.
Noch Alorahs Lieblingsessen aus dem Restaurant mitgenommen, gings zur Mittagspause zurück zur Schule, Eis und Kuchen verteilen. Anschließend haben wir dann auch den Papa zusammen mit dem Rest dieser bunt zusammengewürftelten Großfamilie getroffen und sind, mit noch mehr Kuchen und Kind und Kegel wieder zur Schule, um nach der letzten Unterrichtsstunde die Feierlichkeiten einzuleiten. Es musste natürlich eine Kerze ausgeblasen werden.
Dann gings nochmal kurz ins Condo, den Ausblick genießen und Pläne für den Abend sowie den Rest des Wochenendes zu schmieden.
Den Nachmittag/Abend haben wir anschließend in der Mall of Asia, angeblich dem größten Einkaufszentrum Asiens (wobei ich gerade Zweifel hege, da die Dubai Mall angeblich die größte der Welt ist und Dubai nunmal in Asien liegt) verbracht. Reichlich lecker Essen im Pizza Hut, ein paar weitere Geschenke und Eislaufen!!!
Irgendjemand musste mit aufs Eis und den Spaß konnte ich mir einfach nicht nehmen lassen. Also flucks ein paar Socken gekauft und ab mit der Kleinen auf die Piste!
Den Rest des Wochenendes haben wir anschließend in Marilao in der Provinz Bulacan nördlich von Manila verbracht. Dorthin kommt man mit einem der Jeepeys in etwa 45 Minuten. Dabei muss man allerdings den Kopf einziehen, die Dinger sind nicht besonders hoch. Das ist der Rückzugsort der Familie Nalla, Sanies Eltern leben dort, und die ganzen Schwestern leisten sich zusammen ein kleines Haus zur Miete. Die Betonung liegt auf klein, mehr als 35qm sind das nicht, auf dem Hof liegt wieder allerlei Müll und ein Plumsklo ist auch nicht jedermanns Sache. Für ein paar Tage gehts aber.
In Marilao bewegt man sich v.a. mit Tricycles. Und hier wirds richtig Mist. 9 von 10 dieser Gefährte haben ein intaktes Dach über dem Fahrer. Sitze ich im Seitenwagen, muss ich den Kopf nur leicht zur Seite oder nach vorn neigen, hinter dem Fahrer wird aber auf eine kurze Fahrt von 5 Minuten zur Tortur.
Leider hatte ich kein Ladegerät fürs Handy dabei und der Akku war dann auch schnell leer, so dass ich nur noch ein Foto vom Kochen machen konnte. Nach dem Sonntag-morgentlichen Kirchgang gings über den Markt direkt vor der Kirche an allerlei Lebensmittelständen vorbei, an den frischen (und natürlich noch lebenden) Krabben kamen wir nicht vorbei.
Die sind dann zum Mittag in den Topf gewandert, zusammen mit reichlich Gemüse und Reis. Finger food mal anders, auch Reis kann man gut mit den Händen essen. Das liegt aber eher an der Zubereitungsart, hier wird sog. Sticky Rice gemacht, der prima zusammen pappt. Das kennt man aus den Asia-Restaurants, nur so kann man Reis gescheit auch mit Stäbchen essen.
Wir haben also mit den Kindern allerlei unsinn gemacht, waren baden und in der örtlichen Mall unterwegs und hatten so reichlich Spaß. Am Sonntag Abend gings dann zurück nach Manila, Alorah musste am Montag wieder in die Schule. Wir haben Sie also zu Hause abgeliefert und anschließend ein 12-Stunden-Zimmer genommen. Das hat sich gelohnt, wir hatten immerhin ein Fenster (wenngleich das auch nur in den Lichthof des Hotels zeigter, der wiederrum kein Dachfenster hatte) und das Zimmer war angenehm groß. In dem Preis von knapp 1600 Pesos, als etwa 28 Euro, war sogar Frühstück mit drin. Wir sind abends nochmal auf ein Bierchen in eine der Bars in Malate (so heißt der Stadtteil in dem wir unterwegs waren) gegangen und dann totmüde ins Bett gefallen.
Den Montag haben wir mit Behördengängen verbracht. Sanie hat mir ein paar Ecken in Manila gezeigt, besonders Makati. Dort schlägt das finanzielle Herz der Großstadt, dort stehen die Glaspaläste und in "Greenbelt" fühlt man sich auf einmal, wie in Singapur. Die Zahl der "Nicht-Filipinos" nimmt zu, es ist etwas abgeschirmt von der Straße ruhig, grün und sehr sauber, und teurer. Insgesamt sind die Philippinen ein sehr günstiges Land, wir haben für umgerechnet ca. 200 Dollar, also 130 Euro Klamotten gekauft. Für den Gleichen Stapel hätten wir hier in Singapur oder auch in Deutschland gut und gerne das fünffache ausgegeben.
Pünktlich 4:50 Uhr am Nachmittag gings wieder nach Singapur, wir sind sogar 15 Minuten vor dem Zeitplan hier gelandet, die Einreise war dieses mal völlig unproblematisch, keine nervigen Fragen und dann sogar noch eine Überraschung: Auf dem Visumsstempel im Reisepass steht, dass ich 90 Tage hier bleiben darf!!!
Auf dem Nachhauseweg haben wir noch in einem der kleineren Foodcourts hier halt gemacht, etwas gegessen und dann sogar noch Gesellschaft bekommen. Es wurde dann doch ruckzuck Mitternacht, als wir nach Hause kamen. Der Brief vom MOM im Briefkasten hat das aber ausgeglichen, die PIN für das EPOL-Account ist endlich gekommen und ich kann jetzt endlich auf mein Visum hoffen. Es heißt jetzt wieder 7 Werktage warten und dann wieder anfangen, beim MOM anzuklingeln. Schauen wir mal, wie es dieses Mal läuft. Das nächste Reiseziel steht schon fest, Sanie muss demnächst dienstlich für fast 2 Wochen nach Penang nach Malaysia, die letzten 3 Tage will ich da auch hin. Flüge gibts für ca. 60 Euro...
Hey schön, dass es dir so gut geht. Das mit dem Visum wird schon noch werden Ich drück dir jedenfalls fest die Daumen. Heike
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