Es gibt vieler Orts keine erkennbare Ordnung. Diese Stadt lebt organisch. Zum Leben braucht sie Luft. Sie atmet. Die Luft, die sie atmet, ist rußverpessteter, schwarzer Rauch. Die Feinstaubdiskussion aus Deutschland würde hier auf ein völlig neues Level gehoben. Zuweilen kommen aus den Bussen und Jeepneys schwarze Rauchwolken gequollen, durch die man nicht hindurchsehen kann. Ich sag das nicht, um zu übertreiben und drauf zu verweisen, dass die Abgase dreckig sind, ich mein das Ernst. Es hängt eigentlich immer eine Dunstglocke über der Stadt, alle Gebäude sind rußig, die Straßen schwarz vor Ruß. Vieler Orts gibt es keinen Regenwasserabfluss. Daher wird die Stadt auch regelmäßig mehrfach im Jahr überschwemmt. Manchmal wird das zur Reinigung genutzt. Dann fahren Bagger die überschwemmten Straßen ab und werfen den Dreck auf einen Haufen. Der Verkehr ist der reinste Wahnsinn, die Straßen ersticken völlig im Trubel von Autos, Bussen, Jeepneys (Kleinbussen und einem der Hauptverkehrsmittel der Philippinen: http://www.youtube.com/watch?v=elW5suaudlg,) Trycicles, Motorrollern, Fahrrädern mit Seitenwagen für den Warentransport, Holzschubkarren mit Minirädern für den Warentransport (frisches Obts, Gemüse, Fleisch, Fisch) und allerlei anderen lustigen Gefährten. Einbahnstraßen haben für Motorroller, Trycicles überhaupt keine Bedeutung, für Autofahrer nur eine untergeordnete. Die meisten privaten Autofahrer beachten sie, Taxifahrer und Lieferfahrzeuge i.d.R. nicht.
Es fällt mir nicht leicht, gute Worte über diese Stadt zu finden. Extremer als die meisten anderen Asiatischen Großstädte zeigt sich hier der Unterschied zwischen Arm und Reich, es gibt hier zwei Welten. Dazu muss man vielleicht erläutern, dass es in den Philippinen ein für meine Begriffe ziemlich kompliziertes System an Verwaltungsbereichen gibt. Es gibt NCRs (National Capital Region, also der Verwaltungsbereich der Hauptstadt), Cities (Städte), Munipalities (Gemeinden, Kommunen), Distrikte, Zonen (Gruppen von Barangays) und Barangays (Ortsteile). Das klingt zwar fast nach, wie in Deutschland, die Grenzen sind sehr verschwommen. Außerdem wird unterschieden zwischen Manila City und Metro Manila. Letzteres sind mehrere Städte mit Manila City in Ihrem Zentrum. Dazu gehören unter anderem Quezon City, Pasay City (wo wir zur Zeit leben), Makati City, Mandaluyong City, San Juan, Caloocan City und Navotas. Nach meinen Besuchen hier sowie den anderthalb Wochen jetzt lassen sich die o.g. Städte eigentlich nur anhand ihrer Malls unterscheiden, mit der Ausnahme von Makati City. Wer sich, wie ich, an Singapur, die Garden City, gewöhnt hat, fühlt sich in Makati wohl. Makati ist wie eine saubere (bis auf die Luft, dagegen können die nicht viel tun) Blase inmitten einer ziemlich chaotisch erscheinenden Welt. Hier stehen die Glaspalaste, es gibt viel grün direkt auf den Straßen und der Verkehr ist nicht ganz so schlimm. Die höhere Lebensqualität hat ihren Preis, weshalb in Makati entsprechend weniger Armut zu sehen ist.
Bei Tripadvisor hatte ich eben nach Manila recherchiert. Bei der empfohlenen Drei Tages Tour war an jedem Tag auch eine andere Mall dabei. Das ist eigentlich Schade, weil es ja bedeutet, dass die Stadt sonst nicht viel zu bieten hat. Und dem scheint auch so zu sein. Kultur habe ich bisher nicht viel in Manila erlebt. Und selbst das Shoppen in den Malls ist eine etwas zwielichtige Angelegenheit. Zunächst beginnt jeder Besuch einer öffentlichen Einrichtung mit einer Taschenkontrolle und Leibesvisitation. Sicherheitskräfte stehen wirklich überall, vieler Orts werden Metalldetektoren eingesetzt. Das kann man mögen oder nicht, es ist hier halt notwendig. In Mindanao gibt es weiterhin Islamistische Seperatisten, Anschläge in Manila waren früher keine Seltenheit, die Kriminalitätsrate ist recht hoch und Taschendiebstähle sowie Bag und Cell Phone Snatching (also aus der Hand reißen von Handtaschen, Handys usw.) an der Tagesordnung. Das Rumstolzieren mit dem neusten Smartphone oder der neuen Gucci Handtasche sollte außerhalb der Malls mit Vorsicht genossen werden. Diese Malls haben es ansonsten aber in sich. In Metro Manila finden sich mehrere ehem. größte Malls der Philippinen, Asiens bzw., die MoA (Mall of Asia) anno 2007 drittgrößte Mall der Welt. Die Begriffe Supermall, Megamall uswusf. sind allgegenwärtig. In diesen Einkaufstempeln gibt es üblicherweise alles, für westliche Lohnverhältnisse auch relativ günstig. Neben den Geschäften gehören Kinos, Spielhallen, Internetcafes sowie zuweilen Eisbahnen zur Ausstattung dieser Komplexe. In Greenbelt, einem Komplex aus mehreren Gebäuden mit einer Parkanlage, habe ich gestern etwa eine Dreiviertel Stunde in der Sonnen gesessen und etwas gearbeitet. Dabei sind auch diese drei Bilder entstanden (die iPad Kamera ist nicht die dollste, bitte die Quali zu entschuldigen).
Sehr viel mehr kann ich zu Manila zur Zeit nicht sagen. Ich mag die Stadt nicht besonders und daran wird sich auch so viel nicht ändern. In den Malls kann man es aushalten, das Straßenleben ist aufregend, überall gibt es leckeres Essen direkt am Straßenrand, aber der Preis der Luftqualität, die mir sehr auf Hals und Nase schlägt, ist mir ehrlich gesagt zur Zeit noch zu hoch.
Für die kurze Zeit, die du jetzt in der Smoke-Glocke verbracht hast, hast du dich ja schon erstaunlich mit allem auseinandergesetzt. Schaffst du es dort unter den Umständen deine Arbeit zu vollziehen?
ReplyDeleteArbeiten ist kein Problem, der "Spaß" fängt ja erst an, wenn man das Haus verlässt. Gra wird auch direkt neben dem Haus gebaut, Presslufthammer und so. Macht aber nichts, der Verkehr mit Tricycle, Motorroller, hupenden Autos uswusf ist bereits so laut, dass der Presslufthammer fast eine willkommene Abwechselung ist... ;)
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